25.09.2008

»Wagnis und Gewinn«: verbreitete Fehler und Irrtümer im Rechnungswesen

Veröffentlicht in Finanzierung, Grundlagen, Investition, Kostenrechnung tagged , , , , , , , , um 6:28 nachmittags von Harry Zingel

Manche Fehler sind geradezu unausrottbar. Mit Liebe und Hingabe werden sie von einer Betriebswirtegeneration an die nächste weitergereicht und ob aus Denkfaulheit oder weil alle es halt so machen niemals hinterfragt. Das freilich ist für mich kein Grund, solche Fehler nicht ans Licht zu zerren:

»Wagnis und Gewinn«: Besonders die Meisterausbildung der Handwerkskammern macht diesen Lapsus immer wieder. Dabei ist das “Wagnis” eine (kalkulatorische) Kostenart, wohingegen der Gewinn eine, wenn auch sehr mehrdeutige und komplexe Ergebnisgröße ist, die stets erst nach den Kosten berechnet werden kann. Ohne Wagnis also keinen Gewinn, ohne Fleiß kein Preis: beides gehört jedoch keineswegs in einen Topf!

»Kreditkosten«: Mancher muß teuer anbieten, weil er hoch verschuldet ist – angeblich. Wieso überhaupt die Bankzinsen in die Kalkulation geraten, wird selten hinterfragt, denn dort haben sie selbstverständlich nichts zu suchen. Schuldzinsen sind neutrale Aufwendungen, die nichts mit der Preisgestaltung zu tun haben sollten: dort gehören nur und ausschließlich die kalkulatorischen Zinsen hin, aber die werden oft ignoriert. Dann wäre nämlich klar, daß hohe Selbstkosten nicht hat, wer hoch verschuldet ist, sondern wer viel Kapital braucht – ob eigenes oder fremdes ist hierbei völlig egal!

»Das verursacht Verlust, das muß abgeschafft werden!«: Es gibt aber keine Produkte mit Gewinnen (oder Verluste), sondern nur welche mit Deckungsbeiträgen. Was passieren kann, wenn man ein Produkt ohne Deckungsbeitragsrechnung nur wegen eines Verlustes abschafft, hat der BWL-Bote immer wieder dargestellt. Ins öffentliche Bewußtsein ist der Deckungsbeitrag gleichwohl nie wirklich gedrungen.

»Leasing, so günstig«: dieser vermutlich von den Leasingfirmen sorgfältig und liebevoll hochgepäppelte Irrtum läßt sich leicht anhand der Berechnung der internen Verzinsung widerlegen, nur soll das möglichst keiner können. Selbst die Verkäufer solcher Firmen (und des Versicherungsgewerbes) können es meist nicht. Aber auch sonst ist Leasing selten sinnvoll – höchstens, wenn woanders keine Liquidität mehr zu bekommen ist. Dann sollte man aber möglichst gar keine Verpflichtung mehr eingehen!

»Wir müssen uns versichern!«: Dann aber zahlen wir statistisch gesehen stets mehr ein als wir herauskriegen, denn der Erwartungswert jeder Versicherung ist immer (hochgradig) negativ. Wer aber spielt ein Spiel, bei dem man nicht gewinnen kann?

»Wir müssen sparen«: Vielfach wird dabei aber vergessen, daß wer spart auch die Stückkosten steigen läßt. Dies aber schafft neue Probleme, neue Zwänge zu Einsparungen, noch mehr Frust – ein Teufelskreis. Und denken alle so, steigen die Preise und werden die Güter knapper- eine unsoziale Ideologie. Anstatt zu sparen sollte man ausweiten, vergrößern, expandieren und stets auf sinkende Stückkosten senken, also vorwärts denken!

»Die Annuitätentilgung ist schon ok…«: Unter einem Annuitätendarlehen versteht man eines, bei dem die Tilgung in gleichhohen Gesamtraten erfolgt, also dem Kreditnehmer nur gesagt wird, wieviel er pro Monat/Quartal/Jahr zu zahlen hat, nicht aber, wie hoch der darin steckende Zins ist. Im Konsumentenbereich ist das die faktisch einzige Art der Darlehenstilgung. Daß dies aber auch die teuerste Art der Tilgung ist, verraten die Banker in aller Regel nicht. Man kann es freilich selbst hier nachrechnen.

»Mehrere Zahlungstermine pro jahr sind besser«: Der Glaube, lieber monatlich als vierteljährlich oder gar jährlich zu zahlen, ist ein verbreiteter Irrtum der Versicherungs- und Kreditnehmer, denn der Effektivzins steigt bei einer höheren Anzahl von Zinsterminen. Es wundert daher nicht, daß Guthabenzinsen (wie z.B. auf Sparverträge) in aller Regel nur ein mal pro jahr, Schuldzinsen (z.B. auf Girokonten) hingegen oft monatlich abgerechnet werden. Was daran schlecht ist, kann man durch eine Zinsrechnung herausfinden. Mangelnde Kenntnisse in Finanzmathematik kosten aber so manchen unwissenden Kreditnehmer viel Geld. Mathematik ist eben doch nicht langweilig – jedenfalls nicht, wenn es ums eigene Geld geht!

“Allen ist das Nachdenken erlaubt”, so weiß ein altes Sprichwort, “aber vielen bleibt es erspart”. Das ist auch im Rechnungswesen so, wo schon ganze Branchen auf solche Irrtümer aufgebaut werden. Einen Betrieb zu sanieren, oder “nur” einfach ihn zu führen, ist aber eine schwierige Aufgabe, die mit der fundamentalen Kritik hergebrachter Denkweisen und Verhaltensmuster beginnt. An dieser fundamentalkritischen Denkweise fehlt es leider ziemlich oft – besonders in Zeiten wirtschaftlichen Aufschwunges, in denen man meint, es nicht nötig zu haben.

Der Leser kann gewiß weitere Irrtümer aus eigener Erfahrung hinzufügen, und wer mit seine Lieblingsfehler petzt muß damit rechnen, sie bald im BWL-Boten zu lesen – natürlich anonymisiert! :-)

Weitere Ressourcen: BWL-Bote, Zingelseite.

12.09.2008

Ressourcen zur dynamischen Investitionsrechnung

Veröffentlicht in Finanzierung, Investition tagged , , , , , , , um 10:42 vormittags von Harry Zingel

Im BWL-Boten und auf der Zingelseite befinden sich eine Vielzahl von Ressourcen zur dynamischen Investitionsrechnung. Es wird empfohlen, diese Artikel und Dateien gründlich zu studieren, denn Barwert- und Kapitalwertrechnung sowie die bekannten Konzepte zum internen Zinsfuß (Effektivzins) sind stets von großer Prüfungswichtigkeit.

Ein guter Einstieg ist http://www.zingel.de/zip/06irr.zip. Auf der ersten Seite befindet sich ein grundlegender (einfacher) Effektivzinsrechner und auf den folgenden Seiten befinden sich Aufgabengestaltungen aus verschiedenen Prüfungen. Praktische Anwendungen sind u.a. im Leasingrechner in http://www.zingel.de/zip/06leas.zip sowie im Darlehensrechner in http://www.zingel.de/zip/06darl.zip zu finden. Alle Excel-Dateien sind für Excel 97 bis 2007 geeignet. Makros müssen aktiviert werden, sonst funktioniert es nicht.

Auch der BWL-Bote hat immer wieder zu den diversen Einzelproblemen der dynamischen Rechnung Stellung bezogen. Eine Auswahl der wichtigsten Artikel:

- Kapitalwert- und Effektivzinsrechnung: mit einfachen Sachen Freude machen…
- Kapitalwert- und Effektivzinsrechnung: die Kosten-Falle
- Kapitalwert- und Effektivzinsrechnung: die obligatorische Verzinsung

Wie immer verraten wir auch Fragestrategien und Denkmuster der Aufgabenlyriker. In “Interner Zinsfuß: eine hammerharte Prüfungs-Knallschote” beispielsweise demonstrieren wir eine eher unübliche Formelumstellung und in

- Dynamische Grenzwertrechnung: Der Ersatz am Krötensalto…
- Dynamische Grenzwertrechnung: Wenn es endlich reicht…

wird die dynamische Grenzwertrechnugn vorgeführt. Im Excel-Ordner der BWL CD ist übrigens die Datei “Grenzwertkalkül.xls” die relevante Fundstelle hierfür, aber diese Datei ist online nicht verfügbar.

Besonders lecker ist übrigens “Geprüfter Betriebswirt: was zum Teufel ist eine dynamische Kapitalbedarfsrechnung?” aus einer Prüfung: eigentlich geht es hier um die Anwendugn der Regressionsrechnung, aber auch das kann unter “dynamisch” verstanden werden.

Natürlich beziehen wir uns auch auf die Details, die in den meisten Lehrbüchern ausgelassen werden. So kann es bedeutsam sein zu wissen, unter welchen Voraussetzungen die Kapitalwertrechnung versagt. In dem Artikel “Die Fallen der Mathematik: Rechnet die interne Zinsfußmethode manchmal falsch?” wird es demonstriert.

In “Das Geheimnis des Annuitätendarlehens, oder was Ihre Bank Ihnen nicht verrät” und in dem Folgeartikel “Noch ein Geheimnis des Annuitätendarlehens: Die Zinsanomalie, oder wenn weniger mehr ist” verraten wir eine kreative Anwendung der Effektivzinsrechnung, die ebenfalls in der Standardliteratur geflissentlich übergangen wird.

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